14. März

14. März

RJD2_The Colossus


– von Mitja Maroša –

Der Künstler: RJD2 liebt es, Dinge neu zusammenzusetzen. Das beginnt schon bei seinem Künstlernahmen: Eigentlich heißt der am 27. Mai 1976 in Eugene, Oregon (USA) geborene Künstler Jon Krohn, wobei er gerne noch ein „Rumble“ seinem Vornamen vorausschickt. Das erklärt das RJ. D2 hat sich Krohn einfach beim rollenden Allzweck-Beamer „R2-D2“ aus Star Wars ausgeliehen – und fertig war sein Pseudonym, unter dem er seit 1998 vor allem im Hip Hop-Underground bekannt ist. RJD2 machte sich einen Namen als Sample-Virtuose, der komplette Songs aus einzelnen Versatzstücken basteln konnte und sich dabei gerne bei alten 60’s und 70’s Soul- und Funk-Tracks bediente. Es dauerte bis 2002, bis er mit „Deadringer“ sein viel beachtetes Debütalbum veröffentlichte und dem amerikanischen Hip Hop eine Frischzellenkur verpasste. Seit damals ist viel Zeit vergangen, in der Krohn fleißig seinen Stil weiter entwickelte. So ergänzte er auf seinem 2004er Album „Since We Last Spoke“ sein Repertoire um Rock-Elemente und verzichtete dabei komplett auf Rap-Einlagen. Dem allgemeinen Pop-Trend folgend ließ er sein drittes Album „The Third Hand“ chartkompatibler klingen. Außerdem sang er darauf auch zum ersten Mal. „Deadringer“-Fans hat das alles eher verstört, weswegen sie gespannt auf RJs viertes Album warteten.
Das vorliegende Album: Und RJD2 enttäuscht die alten Fans nicht. Zunächst einmal hat er ein eigenes Label gegründet, nachdem er sich schon nach dem zweiten Album von Definitive Jux getrennt hat und anschließend mit XL-Recordings auch nicht wirklich glücklich war. Erste Konsequenz: „The Colossus“ bietet nun wieder deutlich mehr Instrumentalstücke, auf denen „Rumble“ Jon Krohn sein ganzes Produktionstalent beweisen kann. Und schon mit dem Opener „Let There Be Horns“ zeigt er, dass er es noch genauso krachen lassen kann wie auf „Deadringer“ oder der 2003er EP „The Horror“. Der Track besteht ebenso wie „The Stranger“ komplett aus Samples. Bemerkenswert ist dabei, dass „Let There Be Horns“ wie der Opening Title einer Krimiserie klingt, tanzbar wie ein Popsong ist und dabei gleichzeitig den dreckigen Charme eines Fatboy Slim zu Zeiten von „Better Living Through Chemistry“ mitbringt. Noch deutlicher wird das bei „Giant Squid“, wo rumpelnde Beats knarzende 60’s E-Gitarren vor sich her treiben, nur um dann plötzlich durch ein Cembalo-Break unterbrochen zu werden – ganz schön bizarr! Eher psychedelisch wird’s auf „A Spaceship For You“, obwohl der Track durchaus tanzbar ist. Das Flötengedudel auf „Tin Flower“ nervt auf Dauer. Hatten wir solche Sounds nicht spätestens seit den 1970ern aus unserem Gedächtnis verdrängt? RJD2 scheint auf „The Colossus ohnehin noch melancholischer als üblich unterwegs zu sein, sonst hätte sich wohl nie ein Track wie „Gypsy Caravan“ auf die Platte verirrt. Hier simuliert Krohn auf kompakten 2:12 Minuten gekonnt das legendäre Woodstock-Feeling, inklusive Santana-Gitarre und „Grasgeflüster“. Wer jetzt aber denkt, RJD2 hätte sich vom Pop verabschiedet, irrt: „The Shining Path“ ist absolut radiotauglicher Soul-Pop im Stile eines Gnarls Barclay, was vor allem dem Gesang von Phonte Coleman zu verdanken ist. Kenna macht seine Sache auf „Games You Can Win“ aber nicht ganz so gut, so dass der Song stellenweise zu weinerlich klingt. Und „Walk With Me“ ist eine krude Mischung aus „My Generation“ von The Who und „The Way To Your Heart“ von Soul Sister – echt gruselig!

Fazit:
RJD2 is back – „The Colossus zeigt eindrucksvoll, was „Rumble“ Jon Krohn wirklich kann und vereint auf einer Platte fast alles – von Pop über Soul/Funk und fetten Big Beats bis zu einem extrem kreativen Hip Hop-Track ist für jeden was dabei. Tolles Album!

TestFacts: RJD2 – The Colossus

 

Einzeltrackbewertung

1

Let There Be Horns

9,5

2

Games You Can Win (feat. Kenna)

6,5

3

Giant Squid

8,5

4

Salud 2

-

5

The Glow

7

6

A Spaceship For Now

7,5

7

The Shining Path (feat. Phonte Coleman)

8

8

Crumbs Off The Table (feat. Aaron Livingston)

7,5

9

A Son’s Cycle (feat. The Catalyst, Illogical and NP)

10

10

Tin Flower (feat. Heather Fortune)

7,5

11

Small Plans

8,5

12

Gypsy Caravan

8,5

13

The Stranger

10

14

Walk With Me

4,5

 

Reine Titelwertung:

7,961

 

 

 

Abzüge

Keine

 

Boni

Wir freuen uns über eine angenehm lange Albumlaufzeit…

 

 

 

 

Spielzeit

54:16 Minuten

Label

RJ’s Electrical Connections (ALIVE)

Release

22. Januar 2010

 

supremeWERTUNG

8,0*

 

Sendezeit Supreme: Jeden zweiten Sonntag hört Ihr uns auf 99.2 Mhz, im Kabel auf der 102.1 Mhz in der Region Stuttgart und auf unserem Webstream weltweit. Die aktuellen Sendetermine findet Ihr unter "Sendungen".